Am Ararat: Dogubayazit

Heute morgen gemütlich und gut gefrühstückt, dann ging es los. Am Südende des Van-Sees nochmal wehmütig zurückgeschaut. Da wusste ich noch nicht, dass ich in ein paar Stunden wieder da sein würde!


Auf dem Weg hierher gab es erneut kleine Flüchtlingscamps. Hier sind die Leute ja vernünftig in Zelten untergebracht. Was ich sehe ist, die Zelte sind entweder von der Unicef oder dem roten Halbmond. Andere Lager lebten nur unter Folie… Was ich mich frage: Sind das Syrer oder Kurden? Es scheint ja dieses Jahr wieder heftige Kämpfe gegeben zu haben, die in der Auslöschung ganzer Dörfer mündete. Das hat übrigens Tradition. Ca. 250 Dörfer hat das Militär bereits dem Erdboden gleichgemacht.


Da ich Zeit hatte bummelte ich und nahm mir viel Zeit zum fotografieren. Die Landschaft hier ist wieder wunderschön. Kurdische Dörfer liegen zurückgesetzt:


Die Spuren der Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken sind auf den Feldern dokumentiert. Jeder Steinhaufen ein toter Kurde im Kampf.


Die Landschaft wechselt zum Teil in eine groteske Vulkanlandschaft:



Ich fahre nahe, ganz nahe an der Iranischen Grenze entlang. Die Berge über mir sind schwer befestigt.


Manchmal sind die Grenzbefestigungen sehr nah, ich traue mich dann nicht zu fotografieren. Doch dann, ganz plötzlich, kein Durchkommen mehr. Das Militär blokt mich ab. Ich jammer, ich verhandel aber ohne Chance. Zuerst dachte ich, die Straße wäre defekt. Erst etwas später wurde mir klar, die Strasse geht noch näher an die Grenze und das Militär blockt deswegen. Die Soldaten verlieren dann irgendwann die Nerven mit mir, fuchteln ein bisserl mit der Knarre herum (sind aber immer locker), dann habe ich mich halt getrollt. Das Verhältnis zwischen der Türkei und dem Iran ist angespannt. Die Türkei baut mit den sunnitischen Königshäusern am persischen Golf eine Front gegen den schiitischen Iran auf. Ich schätze das ist schlußendlich der Grund für das Aufgebot hier. Oder ist es die Schmuggelei? 


Warum man allerdings die Strecke bis hierher (75km) ohne Hinweis lässt ist mir ein Rätsel. Und so durfte ich zurück zum Van See und einen mächtigen Umweg fahren. Doch kein Verlust der nicht auch eine Chance darstellt, oder? Also suche ich die kleinen Strecken raus. Die Optionen im Navi stehen auf „Keine Maut“ und „Nicht Unbefestigt“. Also los geht es. 


Aus einer Teerstrasse wurde eine große Piste, aus der eine kleine Piste, dann Feldweg, dann Erdweg. Navi Optionen? Fehlanzeige. Aber: Wie schön!!!!!



Die Weite, der Blick, unglaublich!! Ich war völlig hin und weg!!!!!!


Dazu die kleinen Dörflein. Würde ich da leben wollen?


So wurden am Ende aus 170km 435km. Extrem eingestaubt bin ich heute, auch ziemlich verdreckt von den Wasserlöchern auf der Erdpiste. Aber alles hat gut geklappt, also: Was soll’s?


Ich suchte meine Hotelempfehlung aus dem Reiseführer. Dogubayazit ist unrühmlich für seine miesen Hotels bekannt. Dieses hier soll noch mit das beste sein. Naja….

Dafür mit Bergblick! Und welch ein Glück, ich darf ihn auch ohne Wolken sehen – das scheint nicht immer der Fall zu sein.

Geokoordinaten:

  • Umkehrpunkt: 39°22′11.48″N 44°00′26.95″E
  • Ein Punkt auf er Ausweichstrecke: 39°29′00.05″N 42°58′15.65″E
  • Mein Hotel: 39°32′53.28″N 44°04′52.29″E

Die gefahrene Strecke – 441KM:

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