Baksi Museum, Sümela Kloster

Heute war ein spezieller Tag. Ich denke ich brauche noch einen Tag um die Eindrücke zu verarbeiten. Dazu war der Tag extrem anstrengend. Ich bin am Ende des Tages, nach ca. 370 km, völlig ausgepowert. Thematisch muss ich den Tag irgendwie gruppieren…

Der Schotter

Ich war heute schon früh unterwegs. In der Pension gab es kein Frühstück, also dachte ich mir, das hole ich irgendwo in einem Dorf nach. Schon kurz nach der Abfahrt wurde das Tortumtal spektakulär, es verjüngte sich zu einer Schlucht.


Im Norden liegt ein Ort, Yusufeli. 2018 soll der gesamte Ort, und so ganz klein ist der nicht, in einem Stausee untergehen. Dort wird derzeit die weltweit dritthöchste Staumauer gebaut (275m). Der Ort wird etwas versetzt neu aufgebaut. Also dachte ich mir, das brauchst du nicht, da sind wieder Unmengen von Baustellen, da schotter ich doch lieber durch die Berge und kürze zugleich mit einer Spange ab. Nun, mein Einstieg war so klein, ich verpasste ihn erst einmal. Also: umdrehen, und hoppla, da war er!


Aber dann. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so eng und steil mit dem Moped und Gepäck hochgefahren zu sein. Jede Kehre 1. Gang, schleifende Kupplung und hoffen, dass jetzt nichts rutscht. 


Mir war ehrlich regelmäßig mulmig. Somit immer hübsch an der Wand halten, nie auf der abfallenden Seite fahren, weil wenn da die Fuhre ins rutschen kommt – besser nicht dran denken. Das ging 1100 Meter hoch mit mir. Manchmal durch Bäche, weichen Schotter, fast Sand, aber immer: Boah wie schön!!!

Dörfer taten sich auf.


Und das war es dann auch irgendwann. Am letzten Dorf ging es steil nach oben zum Grat. Aber der ganze Weg war nur noch lose und zerfurcht. So richtig zerfurcht, ich bekam fast keine Traktion mehr. Und so musste ich leider abbrechen. Dennoch – saugeil war es!

 

Die Strecke Yusufeli bis Gümüshane

Also durfte ich nun doch nach Yusufeli. Und es war gar nicht so schlimm wie erwartet. Was war, die Strasse war schmal, sehr schmal. Über weite Strecken nur eine Spur. Ich musste also immer extrem auf der Hut sein. Dazu war sie natürlich auch noch recht rau, Bodenwellen, Teerausbrüche begleiteten mich. Schöngelegene Dörfer säumten anfänglich den Weg.


Völlig spannend: Die Türken stauen jedes Wässerchen. Sei es im Süden um damit z.B. Zypern mit Wasser zu versorgen, oder wie hier fast überall um Strom zu erzeugen.


So war auch die  ursprüngliche Strasse auf einmal nicht mehr da. Aber das kennzeichnet die Türken auch aus. Es gab eine neue Straße, mehrere mächtige Tunnel waren angelegt. Unmittelbar nach dem Staudamm ging es genauso klein und schmal weiter. Im übrigen gab es quasi keinen Verkehr. Ich hatte schon Sorge, dass ich einmal wieder in eine Sackgasse fahre…
Es gab karge Landschaft pur. Nun auch Motorradfahren pur. Kurve jagte Kurve, der Belag war einigermassen gut. Ziel war das Baksi Museum. Siehe später im Eintrag.


Baksi Museum

Und hier erscheint das Museum. Der türkische Künstler Hüsamettin Kocan, mit internationalem Ruf, kommt aus einem Dorf das um die Ecke des Museums liegt. Des Künstlers Vater musste schon früh auf Wanderschaft gehen um das Geld für den Lebensunterhalt der Familie zu besorgen. Viele aus dem Dorf gingen z.B. nach Deutschland. Auch Kocan selbst ging nach Istanbul. Seine Liebe zu seiner Heimat verlor er aber nicht. Und so verwirklichte er seinen Traum und baute dieses unglaubliche architektonische Werk ins Nichts. Das Museum gewann übrigens 2014 den Museumspreis des Europarats.



Ich hatte das Glück gerade der einzige Besucher zu sein – das kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Ich wurde 1,5h von einer sehr netten Dame durch die heiligen Hallen geführt und bekam viele Erläuterungen zu dem was ich sah. Ein Kaffee auf der Terasse mit grandiosem Ausblick rundete den Besuch ab.

Die Dame ist derzeit die rechte Hand des Meisters und verbringt 6 Monate hier. Im Winter braucht man hier nicht zu sein, der Schnee liegt zeitweilig mannshoch!

 

Die restliche Strecke

Jo, wie gesagt dann ging es weiter nach Gümüshane, ich hatte auf breite Strassen gehofft. Aber nein, ich hatte Schotter und Kleinststrassen im Programm!


Nur die letzten 50 Kilometer von Gümüshane nach Macka waren schnell, mit richtig schnellen Kurven und einem Pass, so kalt daß mir die Zähne klapperten. So nach 11 Stunden on Tour landete ich glücklich und unversehrt ca. 7 Kilometer vor dem Sümela Kloster. Es ist im übrigen gar nicht so leicht eine Unterkunft zu finden. Die Lokation ist gerade mal 40 KM von Trabzon weg (große Stadt) und heute ist Ramazan Bayrami (Zuckerfest), damit das Ende des Ramadan und alles ist auf den Füßen. Überall wird gegrillt und gebruzelt. 

Hier kam ich unter, sehr nett!



 
Die Geodaten:

  • Schottereinstieg: 40°43′44.01″N 41°39′55.5″E
  • Yusufeli: 40°48′53.47″N 41°32′50.07″E
  • Baksi Museum: 40°23′08.52″N 40°33′59.17″E
  • Gümüshane: 40°27′35.84″N 39°28′27.82″E
  • Meine Pension in Cosandere: 40°45′49.61″N 39°36′25.58″E

Die gefahrene Strecke – 401KM:

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