299!

Ich hätte es fast übersehen heute. Die Zahl hat nur unmittelbar mit dieser Reise zu tun. Aber wer beim Bund war und täglich sein Maßband kürzte weiß wovon ich rede.

Ein schöner Strandtag in Sinop

Der Tag begann schon amüsant. Ich war doch wegen Überbelegung ausquartiert worden, sollte aber zum Frühstück die paar Meter ins Hotel rübergehen. Als ich ankam empfing mich schon der Portier, geleitete mich zum Aufzug und sorgte mittels eines Fahrgastes, daß ich auch im richtigen Stockwerk ankam. Er hatte also schon einen Anruf von meiner Bleibe erhalten. Nett, oder?

Gestern hatte man mir im Hotel erklärt, dass es mit einer Schaar von Freunden gefüllt sei. Als ich in den Frühstücksraum trat, wusste ich was gemeint war. Lauter Midzwanziger, alle gebräunt, Männlein wie Weiblein gertenschlank, alle hatten eine top Figur, alle in lässiger kurzer Sportbekleidung. War ich bei den Reichen oder Ganzschönreichen? Nun, es sollte sich aufklären.

Nach einer Stipvisite beim Friseur – nein, diesmal keine Story dazu 🙂 ging es an den Strand. 


Und da hatte ich auch gleich die Antwort: Internationale Wettkämpfe im Beach Volleyball! 


Was für eine kurzweilige Unterhaltung. Spannend wie sehr die Unterschiede zwischen den Teams und den Geschlechtern zu beobachten waren. Auf jeden Fall gab es was für das Auge. Mädels: Ja gerade für euch!! Echt knackige Jungs!




Im Lauf des Tages füllte sich der Strand doch merklich. Auch recht kurzweilig …


Schlussendlich saß ich wieder vorm Hotel (und dem angrenzenden Friseurladen), las in meinem Krimi, als sich ein 74jähriger zu mir setzte. Wir kamen rasch ins Gespräch, er hatte 36 Jahre in Hechingen gelebt, in Rottenburg gearbeitet, und seine Kinder und Enkel wohnen noch immer in Boldelshausen und Reutlingen. Das sind so die Momente, die sich nur ergeben, wenn man alleine unterwegs ist. Es kamen abwechselnd die Nachbarn hinzu, so noch einer der in Deutschland zur Schule gegangen war. Ein Kaffee kam, Süßigkeiten, alles wieder einmal von Freundlichkeit dominiert.

Und jetzt? Ab unter die Dusche, ich bin verschwitzt von der Hitze. Danach freue ich mich auf ein leckeress Fischgericht. Es gibt tolle Fischlokale hier, so gab es gestern einen fangfrischen Cupra mit Salat und Muschelsuppe vorneweg. Mit einem Bier zum nachspülen kostet das dann 15€. 

Amasya

Morgens ging es erst einmal los um auf einer perfekten, kurvigen Straße das Kap im Norden Pershembes zu umrunden. Freude pur!


Irgendwann bog ich dann nach Süden ob, wo es unmittelbar galt die ersten Höhen zu überwinden. Und da waren sie plötzlich: Die Haselnussplantagen. Sie reichten soweit das Auge blicken kann, zumeist waren die Büsche auf eine Höhe von ca. 2 Meter eingekürzt.


Erneut hatte ich mir ein Sammelsurium an kleinen, schönen Strassen ausgesucht. 


Trotz der Höhe wurde es schön langsam ziemlich warm, und so machte ich zwei ausgedehnte Pausen. Hier ein toller Rastplatz, ich hielt ein längeres Nickerchen. Sehr wohltuend 🙂


Einzig was mich immer wieder schockiert ist das mangelnde Umweltbewusstsein der Türken. Sie haben ein ausgesprochen gutes Auge für schöne Picknickplätze, wo sie gerne und ausgiebig im grösseren Kreis mit der Familie oder Freunden zusammen sind. Nur, danach bleibt aller Müll einfach liegen. Das ganze Land ist wie eine große Müllkippe.


Wie geschrieben, heute wurde es heiss. Ich hatte, als ich noch im Süden war, darüber geschrieben wie der Teer zu schmelzen anfing. Heute hatte ich das in den Bergen in verschärfter Form. Jede Kurve fuhr ich wie auf rohen Eiern, manchmal wirklich im Schritttempo.


Der Teerbelag ist nur wenige Zentimeter dick, hat viel zu wenig Steineintrag und schmilzt bzw. bricht auf in der Sonne. 

Mein Stiefelabdruck:


Das Ziel der Strecke war Amasya, wo ich einen weiteren meiner Puffertage spendiere. Amasya ist eine Stadt wie aus dem türkischen Bilderbuch – und gilt als die schönste Zentralanatoliens. Amasya wurde ab dem 14. Jahrhundert zu einer so reichen und blühenden Stadt, dass es mit Bagdad verglichen wurde. Zugleich wurde es ein wichtiges religiöses Zentrum mit 18 Medresen und an die 2000 Theologiestudenten. Junge Prinzen wurden hier auf ihre Sultansrolle vorbereitet. Bekannt ist es auch für seine schönen Konaks, Häuser aus der Osmanischen Zeit. Sie sind übrigens der gleiche Baustil wie in Berat/Albanien.

So kam ich auch in einem Konak unter:



Noch ein paar Bilder vom Ort:



Über dem Ort ragt eine alte Festung, darunter sind Felsengräber aus helenistischer Zeit, ca. 2. und 3. J.v.Chr. 


Ich ging hoch um sie mir anzusehen, aber na ja….


Die Innenstadt ist nach all dem Staub und der Primitivität des Ostens wirklich eine Wohltat!


Morgen geht es wieder zurück an die Schwarzmeerküste, nach Sinop. Auch dort werde ich wieder zwei Tage verbringen. 

Geodaten:

  • Amasya: 40°39′11.73″N 35°50′05.49″E
  • Einsame Strecke: 40°33′26.66″N 36°34′34.62″E
  • Die Haselnussplantagen (in etwa…) 41°01′59.15″N 37°13′07.15″E

Die gefahrene Strecke – 313KM:

Faul sein in Pershembe

Ja, wenn mal der Druck raus ist, dann kommt die Lässigkeit, genannt auch Faulheit. Und der habe ich heute in äußerstem Maße gefrönt. Geschlafen, gefrühstückt, geschlafen am Meer, rumprobiert bis ich die türkische Internetsperre für Booking.com umwunden habe und ein Hotel in Amasya gebucht. Da wo ich hin will, gab es nur noch ein Zimmer, also: Glück gehabt. Geschlafen, ein Teechen getrunken, gelesen, nach dem Reifendruck geschaut und die Kette etwas nachgespannt. Nach der Hupe geguckt die seit Griechenland verglüht zu sein scheint. Einkaufen gegangen, am Strand gelesen… und schon ist der Tag fast rum – schön!!!!


Im übrigen: Mit dem heutigen Tag bin ich nun 4 Wochen auf Tour. Wie es geht? Zugegebenermaßen waren die ersten zwei Wochen alleine unterwegs ungewohnt und ich hatte gelegentlich meine Zweifel ob das die richtige Entscheidung war. Aber nun, nun läuft das für mich sehr geschmeidig. Was immer gut tut, ist der fast tägliche Kontakt mit Barbara, der Familie oder Freunden via Whatsapp, am liebsten Whatsapp Video. Es ist halt schon toll, wie hier die Internet-Infrastruktur ausgebaut ist. Bislang hatte ich nur an einem Standpunkt keines.  

Aber klar ist: Ich freue mich darauf, mein geliebtes Weib wieder an meiner Seite zu haben! Yeah!!!
Ein Bild muss ich noch teilen, auch wenn es nicht von hier ist. Aber das gilt für überall. 

Getitelt: Und täglich grüßt das Murmeltier!


Jeden Tag auspacken, einpacken. Alles hat seinen Platz, es geht rasch, aber es geht langsam auf den Zeiger.

Der Türke und seine Freundlichkeit

Wie im vorherigen Blogeintrag bereits geschrieben, ich muss jetzt ein paar meiner allgemeinen Eindrücke niederschreiben.

In diesem geht es mir um die Freundlichkeit die ich stets und immer verspüre. Ich hatte bislang so viele nette Begegnungen, ich kann sie sicher nicht mehr alle rekapitulieren. 

  • Gerade erlebt: Ein Mann spricht mich an, ob das mein Motorrad sei. Er fährt eine BMW 1200 GS… und schon waren wir im Gespräch. Es endet damit, dass ich mich unbedingt an ihn wenden könne, sofern ich gesundheitliche Probleme hätte, er sei Arzt.
  • Die Dame gestern im Baksi Museum. Die Führerin zu spielen war ganz sicher nicht ihre Aufgabe. Aber sie konnte Englisch und da kommt einer aus Deutschland….
  • Ich fahre auf der Landstrasse, ein Auto zieht gleich, winkt, hupt und freut sich, dass ich da bin. (Vielfach)
  • Ich sitze im Kaffee, bin fertig mit meinem Tee und will zahlen. A) Ich zahle nicht B) ich kann nicht weg, weil ein zweiter Tee kommt. 
  • Ich werde oft angesprochen wo ich herkomme, wie weit das sei, wo ich noch hinwill und wie mir das Land gefällt. Die Menschen freuen sich, wenn ich komme! 
  • Sprachlich ist die Kommunikation zumeist schwierig. Entweder kann einer Englisch, oder es entsteht ein wunderbares  Mischmasch aus Türkisch, Englisch und Französisch, gelegentlich Deutsch!
  • Auch schon mehrfach geschehen, hier ein Beispiel von gestern. Ich sitze im Kaffee. Eine Familie kommt um das Zuckerfest bei den Kaffeehausbesitzer- Eltern zu feiern. Mama, Papa, zwei Töchter. Die übliche kurze Frage an mich wo ich her sei beantworte ich immer wieder gerne. Danach kann ich schon hören was kommt. Die Mama zur Tochter: Du lernst doch Englisch in der Schule – jetzt rede doch mit ihm! Das Mädel wird rot, es ist im Zugzwang. Also ich zum Mädel: Du lernst English in der Schule? Und so machen wir zwei nette, holprige Konversation und die Eltern sind stolzerfüllt!
  • Ich stehe am Rand der Strasse zum fotografieren. Ein Mopedfahrer fährt vorbei. Nein, stop, er hält sofort an. Denn wenn ein Moped im Nichts stehenbleibt, muss was faul sein. Er bietet seine Hilfe an und ab da nimmt er mich unter seine fahrerischen Fittiche und zieht seine Bahn mit mir.
  • Der nette mopedfahrende Englischlehrer aus Ordu der Abends um neun an mein Zelt klopft um seine Biere mit mir zu teilen.
  • Die Polizei und das Militär. Da hatte ich so meine Sorge, gerade durch die politischen Spannungen. Weit gefehlt. Ich werde, wie alle anderen auch, herausgewunken. Schnell steht fest, ich komme aus Allmann, und in der Regel wird die Miene freundlich und ich werde unmittelbar zum weiterfahren aufgefordert. Auch die Strassensperren im kurdischen Gebiet waren immer freundlich, gelegentlich winkten die Soldaten.

So gibt es noch viele andere nette Begegnungen, viele spontan, viele wo wir gemeinsam lachten und uns an uns freuten.

Der Türke und sein Auto

Es ist wieder an der Zeit, dass ich einige meiner Eindrücke zusammenfasse. Mein Spass ist immer gross, wenn es um die Türken und ihr Auto geht. Meine Kommentare sind natürlich subjektiv und nicht richtig, aber ein Fünkchen Wahrheit ist schon dran.

  • Das Auto ist wichtig. SEHR wichtig. Im Strassenverkehr steht das Auto auf der höchsten Stufe. Der Fussgänger ist ein verachtenswertes NICHTS. Sollte der Platz auf der Strasse für beide zu eng werden, signalisiert ein kurzes Hupen, dass der Fussgänger jetzt in die Büsche zu springen hat.
  • Der Türkische Autobesitzer ist für mich wie die Inkarnation des Deutschen Autobesitzers aus den frühen 1970er Jahren. Das Auto wird geliebt, gehätschelt, beklebt und verziert. Samstags wird das Auto geputzt und gewienert.
  • Der Türke mag die Kurven nicht so sehr. Wenn für mich der Spass losgeht, hat er für die meisten sein Ende. Ich bin mir nicht sicher warum. Reifenabnutzung? Angst dass der Wagen umfällt? Ein Beispiel aus der Praxis. Mehrfach gesehen. Stell dir eine dieser breiten, gut ausgebauten Strassen vor. 4 Spuren, rechts und links ein Notfallstreifen, in der Mitte ist statt wie bei uns keine Leitplanke sondern ebenfalls geteert. Nun eine weite, langgezogene, gut einsehbare Linkskurve. Wo fährt der Türke? Genau. Auf dem Standstreifen der Gegenspur!
  • Ausflug: Die Familie ist im Auto untergebracht. Egal wie gross die Familie ist, sie passt rein. Was dann natürlich nicht mehr geht ist angurten. Aber wozu auch? Die Kinder wollen ja oben zum Schiebedach rausgucken, und die Kleinsten brauchen mütterlichen Beistand und sitzen daher bei Mama auf dem Schoß. Das Ziel? Irgendein Hotspot. Ach ja, der muss natürlich ein wesentliches Attribut erfüllen. Na? Welches? Genau, man muss bis vor die Türe hinfahren können! 
  • Und so die Strasse zu klein ist, dann helfen sich die Männer gegenseitig, um in Zentimeter genauen Manövern aneinander vorbei zu kommen.

Sümela

Als ich heute morgen erwachte rekapitulierte ich meine bisherigen Stationen. Und konnte den Namen der Stätte nicht mehr abrufen, in der das Geld erfunden wurde! Nein, ich verrate es nicht… Dadurch wurde mir klar, es wird Zeit einen Takt zurückzuschalten. Ich habe mich einfach rumgedreht und mit Unterbrechungen weitergepennt. Irgendwann gab es dann das beste Frühstück der Reise:


Was sieht man da? Ei, Honig, Rosinenmarmelade, Ziegenfrischkäse, Tomaten, Gurken, Oliven, Tee, Butter und dazu gab ws leckeres Brot.

Danach konnte ich irgendwann doch meine Trägheit überwinden und bin zum Kloster hochgefahren. Im 4. Jahrhundert gegründet ist es seit den 1920er Jahren leer. Es hängt wie der Horst eines Raubvogels an der Wand.


Aber leider war es wegen Restaurationsarbeiten geschlossen. Nun war das nicht soooo schlimm, die Türken boten mir so viel Schauspiel, ich hatte meine beste Unterhaltung.

Apropos Unterhaltung: Das Zuckerfest wird hier 3 Tage gefeiert. Die Grills stehen nicht still. Die Kalorien die evtl. im Ramadan runterkamen müssen zwingend in 3 Tagen wieder drauf!

Geodaten:

  • Das Kloster: 40°41′24.19″N 39°39′30.05″E

Dogubayazit

Warum nur fährt man nach Dogubayazit? Und landet dann auch noch hier an einem regnerischen Tag. Nun, ich habe da drei Gründe für mich anzubieten:

  1. Weil ich den Ararat persönlich sehen wollte 
  2. Weil ich einmal so weit in den Osten gefahren sein wollte
  3. Und weil es hier den Ishak Pasha Palast gibt und der toll sein soll

Den Ararat hatte ich ja gestern schon im Blog abgelichtet, wie weit im Osten ich bin zeigt sich daran, dass ich es näher nach Teheran hätte als nach Istanbul, und das liegt bekanntlich nicht vor unserer Haustüre. Wie weit im Osten ich bin äußert sich aber auch am Tageslicht. Die Türkei ist im Sommer eine Stunde vor unserer Zeit. Faktisch sollte die Türkei aber zwei Zeitzonen haben. Hier im Osten geht bereits um 19:34 Uhr die Sonne unter. In Istanbul geht sie heute um 20:40 Uhr und zu Hause um 22:30 Uhr unter – gut es kommt auch noch dazu, dass ich mich etwas südlicher befinde 😉


So machte ich mich heute daran den Ishak Pasha Palast zu besichtigen. Des Morgens setzte ich mich auf’s Moped, fuhr zur Stadt raus und drehte sofort wieder um. Der Berg mit dem Palast stand in schwarzen Regenwolken. Dieser Regen war dann eine Stunde später auch hier im Ort. So versuchte ich am frühen Nachmittag nochmals mein Glück. 

Und hier ist er, der berühmte Palast. Der İshak-Pascha-Palast zählt zu den imposantesten Motiven der Türkei. Er schmückt die Titelseiten von Reiseführern und Bildbänden. Die Palastanlage erhebt sich auf einer Felsnase über der weiten Hochebene Doğubayazıts, deren Horizont viele Monate im Jahr schneebedeckte Gipfel abschließen.


Seine heutige Gestalt erhielt der Palast im 18. Jh., als der kurdische Emir İshak Paşa, reich geworden durch Raubzüge und Wegezölle, eine hier bereits bestehende Burganlage ausbauen ließ. Den Grundstein hatten bereits die Urartäer im 9. Jh. v. Chr. gelegt. Dazwischen bereicherten etliche weitere Herrscher die Festung durch Um- und Anbauten. 



Jedes Tor ist mit wunderschöner Ornamentik verziert, Suren aus dem Koran ergänzen das Bild (hier direkt über dem Tor).



Die Grabkammer des Fürsten (vermutet):


Zwei Bilder aus der Moschee:



So wohnten die Damen im Harem. Immer zwei Zimmer lagen zusammen, gestaltet mit kleinen Nischen, dazu je ein Kamin. Licht gelangte durch zwei Fenster die eine herrliche Aussicht über das ganze Tal gewährten. Die Mauern sind im übrigen gut einen Meter dick. Das mag im Winter ganz schön kalt gewesen sein!


Am Ende ist mir heute ein schreckliches Maleur passiert. Ich hatte den Rucksack auf die Sitzbank meines Motorrads gelegt. Nur lag er da scheinbar nicht ganz sicher, und so blies ihn eine Windböe herunter – und die Kamera die im Rucksack oben lag knallt mit dem Objektiv zuerst ins Schotterbett. Seither habe ich jede Menge Staub auf dem Sensor. Ich bin wirklich traurig.

Zum Schluß ein „meine Braut und ich“ Bild. Das musste mal wieder sein.

PS: Für spätere Erinnerung. Es ist herzlich frisch hier. Ich bin mit langen Ärmeln unterwegs und am Palast habe ich die Motorradjacke angelassen.