Van

Das war eine schöne Bummelfahrt von Tatvan hierher nach Van. Oft ging es direkt am See entlang, verkehrstechnisch war wenig los, so vergass ich gelegentlich vor lauter gaffen den Gasgriff zu drehen und zuckelte mit 80 kmh dahin.

Hier eines der am meisten fotografierten Gebäude in Ostanatolien, die Armenische Heiligkreuzkirche auf der kleinen Insel Akdamar. Eigentlich gehen da auch Ausflugschiffe hin, aber bei den derzeitigen Touristenmassen denke ich, die fahren nur am Wochenende. 

 

Und natürlich wieder Bilder der herrlichen Bergwelt um den See herum:


Dieses Bild muss ich einfach teilen. Super, oder? Jetzt nur keinen Fehler reinbringen…


Dann erneut zügig ein Hotel gefunden, den Preis heruntergehandelt (das kennen wir jetzt schon) und dann das getan was jeden Tag auf dem Programm steht: Waschen, so dass es bis zum Morgen trocknen kann:


Bereit für neue Taten stellte ich mir die Frage: Wofür steht Van? Also auf die Socken gemacht und losmarschiert. Zum einen ist da die Innenstadt, z.T sehr modern mit schönen Geschäften, die jedoch bereits eine Seitengasse weiter zu den üblichen Kruschtlern mutieren. Als ich was essen wollte (ich hatte heftigen Hunger, trotz eines guten Frühstücks), wurde ich an mehreren Restaurants abgewiesen. Essen gibt es erst nach Sonnenuntergang! Dann mit viel Glück, ein richtiges en vogue Lokal entdeckt und fürstlich gespeist:


Frisch gestärkt ging es raus zum Van Felsen der gekrönt ist von einer Burganlage die so ziemlicher jeder Herrscher in den letzten 3000 Jahren! umbaute, festigte. Doch auf dem Weg dort hin, finden sich auch Zeitzeugnisse eines Herrschers 780 v.C. Argistis, seiner ehemaligen Grabkammer und der Hor-Hor Chronik in Keilschrift (erzählt von seinen großen Taten)



Die Burganlage selbst liegt trutzig auf dem Felsen und bietet einen wunderbaren Blick über Van und den See. Seht selbst:




Ein bisserl Romantik darf auch sein 😉 


Auf dem Rückweg einmal mehr eine Fußballhalle gesichtet. Die Witterung ist hier so, dass man vielerorts besser unter Dach kickt.


Ja und nun, wofür steht Van noch? Genau, für die berühmte Van Katze. Was macht diese so einzigartig?


Wahnsinn, oder?

Vieles habe ich nur gesehen, weil ich wieder zu Fuß unterwegs war. 


Man achte auf die Kilometer. Die werden noch ein paar mehr, ich brauche ja noch ein Abendessen!

Die Geolokationen:

  • Mein Hotel: 38°30′08.52″N 43°23′25.26″E
  • Die Burg: 38°30′10.22″N 43°20′26.23″E
  • Die Heiligkreuzkirche: 38°20′25.2″N 43°02′13.16″E

Die gefahrene Strecke – 137KM:

Wahnsinn: Am Van See

5100km, verschwitzt, verstaubt, aber glücklich: Ich stehe an einem Reiseziel von dem ich seit Mofatagen träume. Ich hätte es nicht geglaubt, dass das mal wahr wird. Der Van See!

Ich weiß ja nicht, woher der Wetterbericht seine Daten hat, aber die Temperaturen in Diyarbakir waren schon morgens um 8 bei über 30 Grad. Der Wetterbericht gab als Tageshöchsttemperatur 26 Grad an. Genauso wundere ich mich über den Reiseführer der für die Strecke von Diyarbakir nach Tatvan von Steppe sprach. Hier liegt doch Kornfeld an Kornfeld!

 

Auf den Überlandstrecken bekomme ich im übrigen seit ein paar Tagen keinen Tee mehr. Alle Kaffees sind zwar geöffnet, die arbeitslosen Buben hocken davor, aber es ist Ramadan, und die halten sich hier dran. Nix gibt’s. Auch nicht für mich. Außer heute an einer Fernfahrer Raststätte. Da hatte man einsehen und kredenzte mir einen Tee. Ein Bub im Alter von ca. 12 Jahren sprach mich auf English an. Die Unterhaltung war holprig aber nett. Am Ende war ich, der Alleman, auf den Tee eingeladen.  

Und hier ist er, der Van See, Tatvan ( 38°29′40.29″N 42°17′14.05″E ) ist die Stadt rechts im Bild. Die Stadt, und damit der See, liegt auf 1650m. Nach der Hitze heute morgen, ist es hier herrlich frisch.

Am Hotel angekommen, den Preis verhandelt, kurz die Klamotten ins Zimmer geschmissen und sofort los zum zweiten Nemrud Dagi. Es ist ein gleichnamiger Berg wie kürzlich der Götterberg, nur hier ist das ein 3000m hoher erloschener Vulkan in dessen Caldera sich Wasser sammelt und man hineinfahren kann.

Doch erst einmal das Skihotel mit toller Aussicht!

Und der dazugehörige Skilift:

 

Es zog hier heroben dermaßen, ich musste aufpassen, dass es mich nicht von der Straße fegt. In der Caldera angekommen war ich schlicht beeindruckt von der schieren Größe. Ich hatte mir das alles viel kleiner vorgestellt. Schon beeindruckend!




Ich fuhr dann noch ein bisserl auf den Schotterwegen herum, es gibt da ein paar kleine warme Seen die sich über heisse Quellen speisen. Sehr, sehr nett.

 

Die Geokoordinaten

Die Berge um den See herum sind übrigens von beeindruckender Höhe. Die meisten sind um die 3500m, der Süphan Dagi 4434m hoch!

Die gefahrene Strecke – 284KM:

Romantikhotel am Götterberg

Heute gab es vor der Abfahrt erst einmal ein tolles Frühstück, in einem tollen Hotel:


Danach ging es wieder auf raus auf die Strasse. Es zwar Samstag aber nichts los. 15km außerhalb von Elbistan:


Übrigens scheinen sie es hier ernst zu nehmen mit den Geschwindigkeitskontrollen. Keine 100 kmh mehr in der Stadt! Die 320 km waren schnell runtergerissen. Über die Strecke gibt es auch nicht wirklich groß was zu erzählen. Nur, dass sich der Charakter der Landschaft bald veränderte. Die Höhe ging von den „normalen“ 1200 hm auf 600 hm herunter, damit wurde es warm, und überall wurde Korn gedroschen.

Die Wärme motivierte mich denn auch wieder einen Campingplatz zu versuchen. Ach was ist der nett! 


Schlafen unterm Aprikosenbaum. Die reifen Früchte fallen gelegentlich auf mein Zelt und sind super süß!


Ich bin in einem Dorf namens Damlacik, und damit ca. 15km unterhalb des Götterbergs, des Nemrud. (37°55′01.87″N 38°39′17.88″E – Oder sucht den Atta Türk Staudamm, etwa in der Mitte gibt es einen langen Finger nach Norden. Ganz im Norden davon ist die nächste Stadt, Kahta. Sie diente als Ausgangspukt für Nemrud Touren. Damals, als es noch Touristen gab). 

Hier ein Bild von der Anfahrt zum Götterberg. Es sind mal schnell 1300 Höhenmetter zu machen!


Dann, oben auf dem Berg, das Visitor Center. Es ist so wenig los, dass es sich noch nicht einmal lohnt, Eintritt zu kassieren (kostete früher).


Nach einem strammen Marsch oben angekommen, bietet sich eine spektakuläre Szenerie. Der Gipfel des 2150 m hohen, windumtosten Berges ist der größte Grabhügel der Welt, riesige Köpfe aus Stein bewachen ihn. Götterverehrung und Selbstvergötterung verschmelzen in dieser einzigartigen Gedenkstätte, die der kommagenische König Antiochus I. für sich selbst geschaffen hat.

Seht selbst, hier die Ostterasse, im Grunde baugleich zur Westterasse, jedoch sind hier die Throne besser erhalten, im Westen die Köpfe. Dahinter der Tumulus. Er besteht aus 200.000 Kubikmeter Schotter, darin soll das Grab des Königs sein. Der Tumulus hatte einst eine Höhe von 75 Meter, jetzt sind es noch 50. Warum? Weil Touristenströme raufgingen und den Schotter runtertraten!


Und hier Bilder der Westterasse:


Ist der Ausblick nicht unglaublich?


Am Ende gab es noch eine kleine Burg zu sehen, Yeni Kale:


So, damit habe ich wieder einen Tag einfach so reingespart. Ich bin gerade am planen wo ich den wieder ausgebe. Ich denke irgendwo am Van See. Mal sehen.

Hier geht langsam die Sonne unter, bald gibt es Abendessen. Irgendwas mit Lamm hat man mir erzählt. Ich bin gespannt. (Nachtrag: Salat und Lamm waren mehr als lecker – yummie )

Die gefahrene Strecke – 260KM:

Göreme (Kapadokien)

Um 7:30 Uhr mit einem elend schlechten Frühstück im Magen gestartet. Schon nach 30 Minuten war ich auf 800m (Tarsus war 0m), die Strasse klein und einfach eine Wonne zum fahren. Ach ja, ich vergass: Heute fahre ich weg von der Ägäis, jetzt geht es ins Landesinnere. Und noch eines – Achtung: Heute gibt es Landschaftsbilder. Und Landschaftsbilder heisst: Meine Braut in der Natur 😉

Zuerst ging es zur Kilikischen Pforte, ein Pass über das Taurus Gebirge hoch in die Anatolische Hochebene. Der Pass wurde schon in der Antike genutzt. Die Streckenführung war, wo immer machbar auf kleinen und kleinsten Strassen. Bei 2000 hm wurde es übrigens wieder ziemlich frisch!


Ihr seht, die Berge haben noch teilweise Schnee:


In Derinkuyu, einer Stadt etwa 220 Fahrkilometer nördlich ins Landesinnere und 60 km südlich von Göreme, gibt es eine unterirdische Stadt. Diese wurde, wie ca. 50 weitere auch, von Christen in die Tiefe des Tuffsteins gegraben, zum Schutz vor Überfällen und Übergriffen. Die in Derinkuyu ist 8 Stockwerke tief und die Menschen haben bis zu 6 Monate dort versteckt gelebt! Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem mit angeblich 200.000 kleinen Schächten sorgte für Luft Zu- und Abfuhr. Die Zisternen sind so rafiniert angelegt, dass sie noch bis in die Neuzeit überirdisch genutzt wurden, ohne Wissen über die unterirdische Stadt. 

Weitere 35 solcher Stätten sind bekannt, manche für den Tourismus geöffnet.


In Deryinkuyu traf ich 3 Kanadier, allesamt auf fetten KTM unterwegs. Sie waren vor 3 Wochen in London gestartet und wollen in 3 Monaten in Seoul ankommen. So wie die aufgepackt waren steht denen noch was bevor! Dem einen hat es schon seinen Seitenständer verborgen, er bekommt die Kiste ohne Gepäck schon nicht mehr selber aufgerichtet.

 Die Strecke nach Kapadokien, mit Göreme als ihrem Synonym, ging es erneut auf 1800 m. Göreme liegt übrigens auch noch auf 1400.


Und wieder mal einen Zeltplatz gefunden. Heute, kaum zu glauben, mit ein paar Gästen.


Und nun braut sich ein heftiges Gewitter zusammen. Drückt mir die Daumen, dass es um mich herumzieht. Gewitterregen und ich in meiner Hundehütte ist jetzt nicht was ich brauche. 

Die gefahrene Strecke – 313KM:

Ruhetag in Pamukkale

Heute stand die Besichtigung der Sinterterrassen von Pamukkale auf dem Programm. Auf der gestrigen Anfahrt hatte ich aus 40km Distanz diese schon gesehen und mich gefragt: Soll es das sein? Irgendwie wirkte das ganze nicht auf mich. Doch als ich dann heute davor stand, revidierte sich mein Bild schnell. Wer in die Türkei kommt, muss diese gesehen haben. Ich war früh vor Ort, so war erst einmal gar nichts los. Keine Bustouristen-Massen. Das änderte sich dann etwas später. Unmengen an posing und selfiesüchtigen Russen wurden entladen …. die boten feine Unterhaltung 😉

 



Dazu gibt es oben am Berg tolle alte Steine zum sehen. 

Kleiner König Kalle Wirsch „Hans“



Einmal lief mir ein Prachtexemplar, eine ca. 25cm große Schildkröte über den Weg. Wir belauerten einander ziemlich lange bis sie sich entschloss wieder aus ihrem schützenden Haus heraus zu kommen:


Am Ende gab es ein Amphitheater mit spektakulärem Blick:


Der Rest des Tages wurde mit lesen, im Pool planschen und Wartungsarbeiten an der Maschine zugebracht (Öl, Luftdruck, Kette spannen und fetten). Ach ja, 2900km stehen schon als Fahrleistung an!

PS: 85% Russen (evtl auch Polen, ich kann die nicht gut auseinanderhalten), 10% Türken, der Rest Asiaten, Nordeuropäer. Keine Amerikaner, Engländer, Deutsche (ein einziges mal ein Pärchen gehört).