Re­sü­mee: Mein Moped

Nachdem nun ein paar Tage seit dem Ende der Reise vergangen sind, möchte ich beginnen, das ein oder andere Thema zu reflektieren.

Die Reise führte mich rund 11.300 Kilometer durch verschiedenstes Terrain. Mal war es heiß, mal kalt, mal schien die Sonne, mal regnete es, mal war die Straße super, mal ging es durch Schotter.

Auch wenn ich noch bis anfänglich in der Türkei meine Sorge hatte, ob die KTM mitspielt: Meine kleine KTM machte das alles super mit – ich lernte sie als perfektes Reisemotorrad schätzen!

Schäden

Die beiden Schäden mit denen ich zu kämpfen hatte gingen nicht auf das Konto der Maschine.

  1. Die Bremse hinten. Ich hatte mir am Schwarzen Meer einen Draht im Hinterrad eingefangen. Das war mir schon einmal in Tunesien passiert, nur hier in der Türkei erzeugte der Draht ziemlichen Schaden. So wurde der Kettenschutz völlig zerschnitten, das ABS Sensorkabel angescheuert und die Bremsbeläge hinten ziemlich zerfranzt. Damit lagen die Bremsbeläge nach dem bremsen weiterhin an der Scheibe an und waren nicht mehr in der Lage sich von ihr zu trennen. Ergebnis: Die Scheibe stand kurz davor zu glühen. Abhilfe: Es half nur, die Beläge manuell von der Scheibe zu drücken. Nur ein Tausch der Beläge brachte die Lösung.
  2. Ölverlust an der Abtriebswelle. Ich hatte die Kette nach Handbuch gespannt, was leider VIEL zu eng ist. Dumm war: Ich hatte das nicht praktisch getestet. Damit hat es mir schön langsam den Simmerring der die Abtriebswelle gegen das Motorgehäuse dichtet, ausgeschliffen. Ein Ersatzteil war auf die Schnelle nicht zu beschaffen gewesen, so half nur Öl nachkippen. Nachdem sich der Verlust in Grenzen hielt, reichte das als Lösung von Bulgarien bis heim.

Verbrauch

Was für ein Wahnsinn! Das Motorrad nahm im Reisebetrieb nur 3,4 – 3,6 Liter auf Hundert Kilometer. Zusammen mit dem großen Tank ergab sich so eine Reichweite von 700km.

Veränderungen am Serienzustand

  1. Die Kipphebel wurden gekörnt. Das verhindert das herauswandern der Achse mit dem schlußendlichen Bruch des Kipphebelbocks.
  2. Handschützer Acerbis: Haben sich gut bewährt.
  3. Höhere Scheibe. Die nimmt den Winddruck vom Fahrer. Sehr angenehm.
  4. Sitzbank von Kahedo. Erlaubt stundenlanges sitzen vernünftig zu ertragen.
  5. Griffheizung: Ich habe die Cool Ride Griffheizung mit dem Leistungssteller PCU-5 verbaut. Dieses Feature war absolut super. Die Griffheizung lief regelmäßig und durch den Steller ist sie fein dosierbar. Ein Muß!
  6. Garmin Motorradhalterung an RAM Mount, fest verbaut.
  7. Safari Tank, 14 Liter zusätzliche Kapazität. Damit hatte ich eine Reichweite von ca. 700km. Ist das zwingen nötig? Nein, es gibt viele Tankstellen in der Türkei, jedoch nimmt es den Druck weg, schon nach 200km eine Tankstelle suchen zu müssen. Nur einige wenige male kamen auch auf längere Distenzen (60km…) keine Tankstellen. Dann hätte es schon brenzlig werden können. Eine gute Investition!
  8. SW Motech STEEL-RACK Gepäckträger. Der ist vielleicht nicht der leichteste, aber ein tolle Lösung um hinten eine Rolle zu befestigen. Was nicht geht: Rolle quer. Die wird dann schlichtweg vom Abgasstrahl abgefackelt!
  9. Heidenau K60 Scout Reifen. Gut, es war Reisebetrieb, aber dass der Reifen sooo lange hält hätte ich nie geglaubt. Auch nach mehr als 11.000 Kilometer hat er noch Profil. Dabei hat er auch auf den Kurvenstrecken Bulgariens und Griechenlands sehr gute Dienste geleistet. Ein spitzen Reisereifen!
  10. Motorschutz. Nicht wirklich nötig, nur mir gefällt der besser…
  11. Remus Auspuff mit Remus Mapping. Verändert das gesamte Motorrad. Die Maschine zieht ruckfreier ais dem Keller, und dreht nach oben raus mit einem unglaublichen Biss. Nebenbei ist der Auspuff bei weitem nicht so heiss, man verbrennt sich nicht so schnell die Finger. Der Sound ist eh erste Sahne ohne super laut zu sein.

Gepäcklösung

Wie immer finde ich die Ortlieb Packtaschen (werden nun exklusiv von Touratech vertrieben) die beste Lösung. Speziell auf der 690er hängen die symetrisch und lassen sich perfekt befestigen. Für das Zelt gab es noch eine Ortlieb Rolle, so war alles für einen zweimonatigen Trip auf kleinstem Raum beisammen.

Safranbolu

Nach der Hitze des gestrigen Tages folgte eine unmittelbare Abkühlung um über 10 Grad. Mit der Abkühlung kamen auch Wolken. Ich schaffte es heute morgen nur knapp dem Regen in Kastamonu zu entgehen. Auf kleinen Umwegen ging es in ein kleines Örtchen dessen Attraktion die „Waldmoschee“ ist. 

 

Leider war sie verschlossen und auch kein Imam greifbar. Sie muss innen mit herrlichen Holzarbeiten ausgeschlagen sein. Alleine die Einganstüre gibt schon einen Eindruck.


Eigentlich war eine lange Schottertour durch die Berge im Programm, da aber das Wetter unbeständig ist, entschied ich mich für einen Mix meiner Schotterstrecke mit der Straßenroute, die auch sehr hübsch geplant war.

Wieder gab es schöne kleine Sträßlein, irgendwann war der Verkehr gegen null.


Und so bog ich denn in einem Städtlein auf meine 60km Schotter ab. Sehr genussvoll!


Alleine das Wetter erschien wechselhaft, die Wolken kamen vom Schwarzmeer und regneten sich am Kamm nördlich von mir ab.


Schön war es dann auf der frisch abgeschobenen und frisch beregneten Piste zu fahren. Die einzige sichtbare Spur war von? Genau: Vom Postler! Das war auch der einzige der mir entgegenkam.


Dann, nahe bei Yürük Köy, ein Szenenwechsel, ich dachte ich bin an der Ardeche!

 

Yürük Köy ist so was wie die kleine Schwester von Safranbolu. Ein kleines Dorf dominiert von schönen Konak. Kaum Touristen, sehr ruhig. Aber da bleiben wollte ich irgendwie auch nicht.


So fuhr ich nach Safranbolu. Was für ein Touri-Zirkus hier! Das gab es schon lange nimmer! Touristen aus Asien! Die habe ich seit Göreme nicht mehr gesehen. Dennoch ist es ganz nett hier.


Wieder habe ich ein nettes Hotel gefunden, preislich ist es mit 25€ auch noch im Rahmen. Asmali Konak Hotel:



Der große Wehrmutstropfen des Tages: Meine Hinterradbremse spinnt. Gestern hatte ich mir doch einen Draht im Hinterrad eingefangen. Der hat einiges an Zerstörung hinterlassen. So musste ich heute noch Teile meines Kettenschutzes wegschneiden. Bei der Aktion hatte ich gestern auch bemerkt, dass meine Bremsbeläge hinten ziemlich runter sind. Nun kommen ja nächste Woche Barbara & Friends, also habe ich Jens gebeten mir noch welche zu besorgen. Soweit so gut. Bis ich heute die Ursache feststellte. Die Beläge liegen dauerhaft an der Scheibe an, die ist sehr heiss. Den Fehler konnte ich nicht finden, also hat Jens nochmal den Händler bemüht, der kam mit einem Tipp rüber, den ich heute Nachmittag umsetzte. Ich glaube nicht so recht daran, aber schauen wir mal, der morgige Tag wird das Ergebnis liefern. Ansonsten muss ich wie heute die Beläge wegdrücken und ohne Hinterradbremse fahren.


Schraube am Bremshebel verstellen sowie den Bremsgeber im Langloch verschieben um maximales Spiel zu bekommen.

Geodaten:

  • Safranbolu Hotel: 41°14′46.98″N 32°41′35.8″E
  • Yürük Köy: 41°13′23.5″N 32°47′57.65″E
  • Der „Ardeche“ Canyon: 41°14′14.07″N 32°47′12.53″E
  • Mein Einstieg in den Schotter: 41°24′01.24″N 32°58′27.22″E 

Die gefahrene Strecke – 152KM: